Anarchismus VERSUS Anti-Spezismus

Tierrechtler und Anarchismus

 

Uns ist völlig klar, dass dieses Thema bei den üblichen Kandidaten für aggressive Schnappatmung sorgen wird, allein weil wir es wagen dazu Stellung zu beziehen.

Wichtig ist, es geht hier nicht um die Ablehnung von Umwelt- und Tierschutz und alternativen Formen des Zusammenlebens, es geht einzig und allein um die autoritäre und zu Teilen sogar sektenartige Ideologie, die gerade in der Tierrechtsbewegung ihre Blüten treibt und in dieser Form im Grunde überhaupt nicht mit den freiheitlichen Ideen des Anarchismus vereinbar sind.

In vielen linken und anarchistischen Zusammenhängen gilt es als normal öko, vegan und tierfreundlich zu sein. Neben einem sehr romantischen bis naiven Bild von Bio-und Ökologie werden von vielen Aktivisten auch autoritäre, antisemitische bis offen faschistische Inhalte tolleriert oder sogar verbreitet.

Dazu gehören Szene-Filme wie „Earthlings“, der es schafft in den ersten 5 Minuten gleich mal den Holocaust zu leugnen, weil nach Meinung der Filmemacher es die Tiere in ihren „Tier-KZs“ viel schlimmer haben als jemals die Juden bei den Nazis.

Neben diesem als Dokumentation getarnten Stück billigster Propaganda gehören die Publikationen von Paul Singer und Theodore Katschinsky bis heute zum 1:1 des geneigten Tierrechtlers. Dabei wird eine seltsam anmutende Welt der Urgesellschaft glorifiziert, die nicht nur zivilisationsfeindlich, sondern oft auch extrem menschenfeindlich ausgestaltet ist. So ist der Mensch als Spezies an allem schuld, wo grad der Schuh drückt. Das wird je nach Aggressivitäts-Level gesteigert bis zum kompletten „Ökozid“ des Planeten, der nur durch eine Anti-Zivilisation und eine Bevölkerungsschrumpfung noch aufgehalten werden kann. Letzteres bedeutet, dass man – je nach Tierrechtler – einen Teil der Bevölkerung „entsorgen“ möchte, um das Armageddon aufzuhalten. Die gewaltsame Entfernung von bis zu 50% der Menschheit gehört zum habitus von Primitivisten, Anti-Spezisten und Esotherik-Ökos, die sich in der Tierrechtsbewegung vereinigen. (Wir möchten nur einmal ins Gedächtnis bringen, dass die Tierfreunde hier von der systematischen Vernichtung von mindestens 4-5 Milliarden Menschen reden!)

Ebenso sind antisemitische Zerrbilder an der Tagesordnung. So werden bei Kampagnen gegen das Schächten in erster Linie jüdische und muslimische Schlachttraditionen herausgekramt. In einschlägigen Foren werden, wenn es um vermeintliche „Tierquäler“ geht gerne Mal Bilder von Auschwitz und Erschießungen im Warschauer Ghetto hinzugezogen.

Selbst in linken Gruppen wird derartiges oft genug unwidersprochen gelassen, denn solange es für die Tiere ist, ist scheinbar jede Menschenverachtung recht. Oft genug laufen die gegenseitigen Ermunterungen nach dem Motto ab „Je zivilisations- und menschenfeindlicher, desto glücklicher der Tierrechtler.“

Zwar distanzieren sich linke und anarchistische Gruppen immer etwas halbherzig von antisemitischen und faschistischen Umtrieben, übernehmen aber gerne unwidersprochen deren Propaganda. Gerade was die Empfänglichkeit für Verschwörungstheorien angeht stehen die meisten Tierrechtsgruppen Reichsbürgern und Impfgegnern in nichts nach. Da gibt es dann ein geheimes Netzwerk aus einer ominösen Fleisch- und Pharmalobby, die gleich mal ganze Staaten regiert. Gerade bei den Kampagnen gegen Monsanto und Bayer konnte man immer wieder hören, dass „die da oben“ bei den Lobbyisten alle Fäden in der Hand haben.  Nicht mehr weit entfernt ist man dann in der Regel vom „raffenden, jüdischen Kapital“ aus der NS-Propaganda. Denn die ganze Welt könnte so schön sein, wenn „die da oben“ nicht alles kontrollieren würden. Wendungen, die man auch in anarchistischen Gruppen zu oft um die Ohren gepfeffert bekommt.

Der real existierende Kapitalismus hingegen wird so gut wie nie erwähnt. Wenn Tiere leiden oder die Umwelt zerstört wird, dann ist das die Schuld von einzelnen, schlechten Menschen oder Firmen. Hat man diese beseitigt steht dem veganen Glück nichts mehr im Wege. Ist man als Mensch doch so dreißt und versucht etwa kapitalistische Zusammenhänge in der Landwirtschaft zu erklären wird gebockt und nicht selten bekommt man das Argument zu hören „Das interessiert uns nicht. Das ist doch nur Symptombekämpfung!“

Fragt man Tierrechtler ist es nicht selten auch verachtenswerte Symptombekämpfung reales Leid zu lindern indem man ehrenamtlich in Tierheimen hilft, Gnadenhöfe mitorganisiert oder vielleicht sogar in Programmen zur Arterhaltung mitarbeitet. Alles ist Recht solange man nur konsequent seine Anti-Haltung beibehalten kann.

Uns ist klar warum primitivistische, esotherische und antispezistische Argumente gerade für Menschen aus konsumorientierten, städischen Gebieten so attraktiv sind. Man kann in eine klare Kontrahaltung zur Gesellschaft gehen ohne viel dafür machen zu müssen – außer die Ernährung umzustellen und jeden, ob er will oder nicht, religiös anmutend zu missionieren.

Wir – und nicht nur wir – sehen diese Entwicklung mit Sorge. Auch weil viele Aussagen der Tierrechtsbewegung komplett im Gegensatz zum Anarchismus mit seinen freiheitlichen Prinzipien steht. Dazu gehört auch, dass jeder Essen kann, was er will, ohne religiös-missionarische, moralisierende Predigten fürchten zu müssen.

Die Anschlusspunkte für fundamentalistische Christen, autoritäre Ökos und antisemitische Verschwörungstheorien agieren jedoch fließend und sind gerade auch in anarchistischen Zusammenhängen komplett fehl am Platze. Noch dazu, wenn klassenkämpferische Perspektiven immer weiter ausgeblendet werden.

So gab es Vorfälle in der örtlichen FAU (FreieArbeiterInnenUnion) unseres Autoren in denen Tierrechtler es schafften die Satzung einer anarchistischen Gewerkschaft auf Tiere umzuschreiben und Klassismus gegenüber Bauern und Fleischern salonfähig zu machen und sogar zu verneinen, wenn hypothetisch gefragt wurde „Würdet ihr einen Arbeitskampf bei einem Metzger unterstützen?“ Die Antwort darauf war ein salopp umformulierter Anti-Polizei-Spruch: „Niemand muss Fleischer sein.“

Klassenbewusstsein und gewerkschaftliche Solidarität gleich null.

Die FAU Bielefeld sah sich sogar genötigt eine Veranstaltung zu primitivistischen Strömungen zu machen, denn gerade auch in egalitären Kreisen sind Zivilisations- und Menschenfeindlichkeit auf dem Vormarsch.

Siehe: http://faubielefeld.blogsport.de/images/Kritik_des_AnarchoPrimitivismus_02.pdf

Zu guter letzt lässt sich nur sagen, dass diesen Entwicklungen mit starken anarchistischen Positionierungen, gerade auch bei den Themen Umweltschutz, entgegengewirkt werden müssen, aber natürlich nicht ohne die kapitalitischen Ursachen völlig zu verneinen. Denn das Tierleid in den Ställen ist nur ein weiterer Ausdruck des Kapitalismus. Der Arbeiter in den Ställen und Schlachthäusern ist für das Managment kaum mehr wert als das Tier, dass er am Fließband zerlegt.

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