Plattformismus – Was ist das?

In den letzten Jahrzehnten sind viele ursprüngliche Prinzipien des Anarchismus verwässert worden, wenn nicht gar verloren gegangen. Eines davon ist der Plattformismus.

Prinzipien des Plattformismus

Plattformismus – Was ist das?

Der Plattformismus ist eine Organisationsform des Anarchismus, der seine Ursprünge in der ukrainischen Revolution unter Nestor Machno in den 20er Jahren hat. Diese Entstand auf Antwort auf die Fehlschläge während der Russischen Revolution 1917 und sollte eine striktere Organisierung garantieren, die nicht von endlosen Debatten und Gremien ausgehebelt wird, während autoritäre Kräfte (damals in erster Linie durch die Bolschewisten) an einem vorbei ziehen.

Der Plattformismus besteht aus vier Grundprinzipien:

– ideologische Einheit

Ideen und Ideale einer Gruppe sind klar, auch in Detailfragen, und alle Mitglieder halten sich daran.

– taktische Einheit

Innerhalb einer Gruppe ist die grundsätzliche Strategie geregelt. Egal ob Aktionen oder innere Strukturen betreffend.

– disziplinäre Einheit

Es wird eine grundlegende Disziplin in Aufgabenverteilungen und Aufgaben in der Gruppe eingehalten. Wer aufgaben annimmt, der muss diese auch durchführen. Das ganze basiert auf rätedemokratischer Basis. D.h. bei massiven Verstößen oder „nichtstun“ können Verantwortliche von den Mitgliedern abgesetzt/ abgewählt werden.
Bei der „anarchistischen Displin“ geht es jedoch nicht um Gehorsam, sondern um die Einhaltung grundsätzlicher Dinge wie Terminen und Absprachen, da schon damals das größte Problem der antiautoritären Bewegung war sich an einfachste Regeln zu halten. Plattformisten fordern Disziplin von ihren Mitgliedern, um ein stetiges hinarbeiten auf ein Ziel zu gewährleisten. Viele heutige Gruppen scheitern oft schon daran, weil das fehlgeleitete Motto „Ich bin Anarchist. Ich muss gar nix.“ glorifiziert wird.

– Kollektivtätigkeit

Jedes Mitglied der Gruppe verpflichtet sich zu aktiver Arbeit im Kollektiv. Ein „herumlungern und revolutionäres Bier trinken“ wie es heute in vielen anarchistischen Gruppen Mode ist gibt es nicht. Wer sich Mitarbeit aktiv verweigert kann aus der Gruppe ausgeschlossen werden.

 


Der Plattformismus hat sich vor allem in südlichen Ländern durchgesetzt, während gerade in Mittel- und Westeuropa ein vor sich hin dröppelnder Individualanarchismus glorifiziert wird, der sich meist darin erschöpft, dass man jede Form von Struktur als „Autoritär“ ablehnt und das gemeinsame Trinken von Spirituosen und anderen erheiternden Dingen als revolutionär erachtet, während man die immer gleichen Diskussionen führt, ohne je die praktische Phase zu erreichen.

Der Plattformismus soll genau das verhindern. Er soll Struktur geben und revolutionäre Gruppen handlungsfähig halten.

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