Neue Militante Form – AUSGABE 1 (ganzes Magazin)

NMF Cover Neu

 

VORWORT

Mit der „Neuen Militanten Form“ sollen alte Krusten in der deutschen Linken aufgebrochen werden. Denn auch wenn Sachsen zur Zeit als das „Bundesland des Bösen“ durch die Medien geistert ist die Wirklichkeit nochmal um einiges schlimmer. Der NSU und die in den Medien presenten Übergriffe sind nur die Spitze eines Eisberges dem man weder mit traditionalistischen Militanzspielen noch mit braven Kerzen anzünden und Sitzblockaden beikommen kann. 

Andererseits ist die Linke in ganz Europa extrem schwach aufgestellt. Sie ergeht sich seit Jahrzehnten in den immer gleichen Phrasen mit den immer gleichen Konzepten und weigert sich ohnmächtig sich an die neuen Realitäten anzupassen.

Ja, dieses Heft wird viele erzürnen, aber es soll auch provozieren. Besonders jene Teile der antiautoritären, linken und anarchistisch-autonomen Bewegung, die meinen es könne alles so weitergehen wie seit 30 Jahren. Es ist eine bewusste Polemik und ein Diskussionsvorschlag für zukünftige Konzepte, gerade in den „No Go Areas“, wo rechte Milizen und eine für jegliche Verbrechen ebenjener blinde Polizei das Leben bestimmen.

 

DIE LINKE BEWEGUNG IN DER KRISE

Mit der Verschärfung der weltweiten Wirtschaftskrise verschärfen sich auch die Lebensbedingungen der Menschen. Daraus resultieren weltweit politische Erdbeben hin zu einer völlig der Ausbeutung des Menschen verschriebenen, völlig entsolidarisierten Gesellschaft in der Faschismus nicht nur eine Tendenz ist, sondern ein Teil der Realpolitik. Das fängt bei der Abschottungspolitik an, hin zu völliger Narrenfreiheit für staatliche Organe und endet irgendwo bei den militärischen Muskelspielen im Nahen Osten und an der russischen Grenze. Die Menschen in dieser Art von Gesellschaft sind sich selbst nur am nächsten und jede Form der Solidarität – sei es im Privaten oder organisiert – fällt zunehmend weg. Es herrschen die Ellenbogen. Jeder gegen Jeden. Der real existierende Kapitalismus, der alles – selbst Menschenleben – nach Nützlichkeit bewertet. Wertes und unwertes Leben kehren so in den Alltag zurück. Diese soziale Kälte nützt dabei vor allem den rechten Scharfmachern in Parteien, Kameradschaften und großen Teilen der Medien.

Die linken, sozialen Bewegungen stellen in diesem Klima eine marginale Oppossition dar und dies nicht ganz unverschuldet. Dass progressives Gedankengut offensichtlich für einen Großteil der Bevölkerung nicht mehr attraktiv ist hat viellerlei Gründe. Der wichtigste Punkt ist wohl, dass die Linke sich in den letzten 20 Jahren zunehmend von der Außenwelt abgeschottet hat und auf elitäre Ghettobildung setzte, dessen Kreis nur für Eingeweihte betretbar ist und aus dem man bei kleinsten Störungen auch gleich wieder ausgeschlossen wird. Die soziale Bewegung wurde zu einer homogenen Szene in der Dress- und Sprachcodes wichtiger wurden als die eigentlichen Inhalte. Man entfremdete sich zunehmend vom „revolutionären Objekt“ – sprich, den Armen, den Ausgebeuteten, den Unterdrückten – und ergoss sich in teils sozialchauvinistische, rassistische und antiproletarische Diskurse. Woran auch das Wirken der sogenannten Antideuschen nicht unschuldig ist. „Das Proletariat“ wurde zunehmend zu einem entfremdeten, politikwissenschaftlichen Begriff und nicht zu einer Sache oder einem Teil der Bevölkerung mit der man sich ernsthaft auseinander setzen müsste. Hinzu kam die Stigmatisierung von Arbeitern als dumm, ungebildet, „bildungsfern“, rassitisch und automatisch rechts. Teile der Linken kamen zu dem mörderischen Trugschluss, dass man sich mit den unter dem Kapitalismus leidenden Teil der Bevölkerung nicht mehr auseinandersetzen müsste, weil der Kapitalismus als Sache nicht existiert, sondern nur ein abstraktes Gebilde ist, dass komplett ohne Menschen zu bewerten sei. Diese extremen Fehlschlüsse gesellschaftlicher Entwicklungen seit den 2000er Jahren waren es auch, die die politische Linke ins Abseits beförderten und Platz machten für reaktionäre Kräfte. Die Teile der Linken, die sich noch ernsthaft etwas unter sozialer Revolution vorstellen konnten, dass über Szene-Chic, Mai-Randale und Theoriezirkel hinausging wurden schließlich noch von den eigenen Reihen stigmatisiert. Im besten Fall war man einfach nur weltfremd und utopisch, im schlimmsten Fall wurde sich Antisemitismus und vermeintlicher Faschismus aus den Fingern gesaugt. Dennuziert hat man in Zeiten des Internets schließlich schnell. Kurzum: Die heutige Linke hat völlig vergessen worum es geht. Stattdessen führt man Diskurse aus dem Elfenbeinturm der deutschen Mittelschicht, die mit der Realität prekär lebender Menschen überhaupt nichts mehr zutun haben. Wenn ich von 400 Euro im Monat leben muss ist das Letzte, was mich interessiert, ob denn alles bio, glutenfrei und nachhaltig produziert wurde, wenn ich schon Probleme habe mir den billigsten Fraß bei Aldi leisten zu können. Oder die Sache, dass autonome Gruppen heute kaum noch arbeitendes Volk inne haben. Stattdessen erzählen dem geneigten Zuhörer Studenten aus besseren Hause von der Weltrevolution und ihren Ersteweltproblemen. Nur selten wird man in heutigen autonomen Gruppen etwas über die Ungleichverteilung im Kapitalismus hören, außer vielleicht als Marx-Zitat. Die Bodenhaftung, der Draht zu den realen Verhältnissen ist vielen abhanden gekommen. So nehmen auch hier rechte Gruppen den Platz ein, der von Linken frei gemacht wurde. Wenn es nun ausgerechnet Nazis und andere reaktionäre Leute sind, die sich zumindest scheinbar für die soziale Ungerechtigkeit im Lande interessieren – und wie immer die falschen Schlüsse ziehen -, dann hinterlässt das Spuren in der Bevölkerung. Wenn man den Menschen nicht mehr offen begegnet, sondern sie als „Unterschicht“ abtut mit der eh keine Revolution zu machen sei. Nein, die Revolution ist nicht zu machen mit dem reaktionären, dumpfen Flügel der Antiautoritären, die sich im Leid ihrer schrecklichen Wohlstandsgesellschaft sulen und völlig abgestumpft sind für die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen. Die Egomanen, die schon ganze Strukturen aus Geltungssucht zerschlagen haben. So hat sich „links“ für viele Menschen in den letzten Jahrzehnten vor allem als unsozial und arrogant in die Köpfe eingebrannt.

Sackgasse Homogenität 

Dass die Homogenität kleiner, zerstrittener Gruppen in die Sackgasse führt ist nicht neu. In „Der totale Widerstand“, dem Offiziershandbuch von Major H. von Dach der Schweizer Armee – welches in Deutschland seit 1989 verboten ist – wird bereits aus organisatorischen Gründen darauf verwießen, dass kleine zellenähnliche Strukturen nur funktionieren, wenn es genügend Heterogenität gibt. Mit anderen Worten, wenn es genug Meinungsaustausch stattfindet und die Strukturen so in Bewegung bleiben. Was für das gurelliaerfahrende, schweizer Militär gilt kann man ohne Probleme auch auf politische Gruppen anwenden. Eine heterogene Gesellschaft gewährleistet genügend ideenaustausch, um nicht eines Tages in der Sackgasse der Routine zu erwachen. Die heutige Linke besteht aus vielen kleinen, zersplitterten homogenen Grüppchen, die miteinander schlecht oder gar nicht vernetzt sind. Also das genaue Gegenteil von dem was nötig ist. Heterogenität ist lebenswichtig. Das bedeudet aber auch, dass man abweichende Meinungen und Ideen aushalten muss und nicht alles, was einen „komisch vorkommt“ präventiv erstmal in die Nazi-Ecke schiebt damit man ja auch seine weiße Weste behält. Es bedeudet sich mit Menschen zu verbinden, die auf den ersten Blick nicht ins homogene Ghetto passen und darüber eine breite Front zu etablieren. Im übrigen nicht zu verwechseln mit einer Querfront. Die geht nämlich immer von rechts nach links, nie umgekehrt.

Will man eine Gesellschaft in autonomen Zellen organisieren wie es Autonome und Anarchisten vorschlagen, so darf man keineswegs in die Tyrannei der Homogenität und der informellen Gruppen verfallen. Daher empfehle ich auch dringend einen Umbau der Strukturen. Raus aus den informellen Grüppchen, die alle ihr eignes Süppchen kochen, hin zu einer plattformistisch organisierten, tragfähigen Struktur.

Chance Plattformismus

Der Plattformismus entstand während der Machno-Revolution in der Ukraine in den 20er Jahren als Lehre aus dem Bolschewismus in der Russischen Revolution von 1918. Um anarchistische und freiheitliche Gruppen nicht gegenüber autoritären Strukturen untergehen zu lassen wurde sich auf ein Mindestmaß an einheitlicher Organisation geeinigt.

Die 4 Grundpfeiler des Plattformismus:

Ideologische Einheit 

Identifikation mit den politischen Zielen der Gruppe. 

Taktische Einheit 

Strategisch-taktische Einigkeit in der Gruppe. 

Kollektivtätigkeit 

Arbeit in der Gruppe und für die Gruppe. 

Disziplin 

Das einhalten von Verbindlichkeiten, ohne wenn und aber. 

Gerade der letzte Teil ist wichtig und wird in vielen heutigen Gruppen schwer vernachlässigt. Nach dem Motto „Aber ich bin Anarchist, ich hab jetzt keine Lust.“ 

Ohne eine fundamentale Selbstdisziplinierung der linken Bewegung wird es auch in Zukunft nur wenig Besserung geben. Aussagen wie „Ich hab jetzt kein Bock.“ oder das nicht wahrnehmen wichtiger Termine sind keine „anarchistischen Freiheiten“, sondern purer Egoismus. Diese Art des „Ego-Anarchos“, dass vor allem in autonomen, informellen Gruppen beheimatet ist hat sich aus Entscheidungsfragen zurückzuziehen und Entscheidungen unterzuordnen bis es dazugelernt hat. Das ist eine Maßnahme um die rein egogebundenen Aktions- bzw. Nichtaktionsgruppen einzudämmen und wieder funktionierende Strukturen zu ermöglichen. Das mag für einige jetzt autoritär klingen kann aber mitunter die einzige Möglichkeit sein die informelle Tyrannei aus Ego-Interessen und Freundes-Cliquen einzudämmen. Neben fehlender Heterogenität ist vor allem das verkommen zu kleinen „Amigo-Grüppchen“ das größte Problem der antiautoritären Linken. Die Mitglieder der Gruppen haben dafür Sorge zu tragen, dass sich derartige Machtgefälle gar nicht erst bilden. Z.b. mit rotierenden Mandaten. Eine abgewandelte Form dieser negativen Machtausübung ist es immer auf Solidarität zu pochen und dann Genossen bis zur Erschöpfung mit Arbeit zu überschwemmen – selbst aber keinen Finger krumm zu machen.So werden Ressoucen und Menschen in Strukturen verheizt. Das endet dann meist mit dem kompletten Zusammenbruch der Struktur. 

Angst ist kein guter Ratgeber 

Um die nötige Heterogenität zu erreichen müssen sich Strukturen herauswagen aus ihrem Szene-Ghetto und sich breit der Öffentlichkeit präsentieren. Die üblichen Kommentare an dieser Stelle sind meist folgende: 

Aber dann wissen die Nazis von uns!“ oder „Dann sieht uns doch die Polizei!

Das Problem sind im übrigen nicht die berechtigten Ängste von Beteiligten, sondern das vorschieben von vermeintlichen Bedenken als Grund warum man schon wieder nichts machen kann und lieber Bier trinken geht. Die gefürchtete Verfolgung und Ablehnung ist dabei selbst in Sachsen nicht so extrem wie sie in der aktuellen Lage sein könnte. Viel schlimmer wirkt sich dagegen das ständige schweigen und Geheimniskrämerei aus, weil so selbst in eigenen Strukturen keine Vertrauensbasis existiert. Stattdessen breitet sich Paranoia unter den Beteiligten aus, die dann Feinde sehen wo keine sind und echte Bedrohungslagen zuweilen von Grund auf falsch eingeschätzt werden.

Stattdessen gilt es die eigenen Ängste zu überwinden und sich für die Außenarbeit ein dickes Fell zuzulegen. Das heißt, dass nicht jede Kritik oder Anmerkung gleich völlig persönlich genommen wird.

Wo wir wieder bei informellen Gruppen und Amigo-Netzwerken wären. In einer Gruppe, die halbwegs professionell wirken möchte sind diese Befindlichkeiten weiter hinten anzustellen. Es geht eben nicht darum die coolste Gruppe in der Stadt zu sein, sondern politisch etwas zu bewirken. Das vergessen viele Aktivisten aus dem antiautoritären Spektrum immer wieder. Alles andere ist lediglich ein verbraten von Energien, die Mensch vielleicht an anderer Stelle gebraucht hätte.

All das sind Dinge, die Strukturen schwächen und verhindern, dass eine Öffentlichkeit für Themen geschaffen wird. 

Zukunft der Bewegung 

Heutige linke Strukturen zeichnen sich vor allem durch eine gigantische Ideenlosigkeit aus. Man rezitiert geradezu sektiererisch Marx, Engels, Bakunin oder Kropotkin und hofft, dass die Revolution sich irgendwann schon von alleine einstellt.

Die heutige Linke vermittelt nach außen vor allem, was sie alles scheiße findet, aber hatte keine einzige zukunftsträchtige Idee in den letzten 20 Jahren. Es gibt schlicht kein Konzept für „was mal werden soll“. 

Zwar gibt es vereinzelte Projekte, VoKüs oder Umsonstläden, doch keines dieser Konzepte spricht die Mehrheit der Bevölkerung an. Fragt man einen Linken an dieser Stelle wird er vermutlich beteuern dass die Menschheit noch nicht bereit ist, die Leute zu dumm sind oder einfach Nazis, die die sehr, sehr kleinen Schritte zur Utopie nicht zu würdigen wissen. Dass Mensch mit so einer Einstellung bei der Allgemeinheit keinen Blumentopf gewinnt sollte klar sein. Dabei geht es nicht um Anpassung, sondern darum nach außen zu projezieren, dass eben nicht alles scheiße ist und der Mensch sich in 50 Jahren selbst ausgerottet hat, weil er am Genmais erstickt ist – wenn ihm vorher nicht noch die AKWs um die Ohren geflogen sind.

Die dystopischen Anwandlungen mancher Genossen helfen nicht gerade, wenn es darum geht Hoffnung auf eine gerechtere Welt zu machen, die man vielleicht sogar noch selbst erleben könnte. Dann bleibt die befreite Gesellschaft Utopie – und das völlig mit Absicht. 

Daher sollte der Ansatz nicht bei irgendwelchen Horrorvorstellungen stehen bleiben oder sich in ein utopisches Delirium zu stürzen, um den Kapitalismus auch nur halbwegs ertragen zu können. Da ist man in einigen der besonders krisengebeutelten EU-Länder schon weiter. Spanien und Griechenland etwa. Dort entstehen aus purer Not heraus alternative Konzepte und das nicht nur auf dem Papier, sondern als gelebte Realität. Zum Beispiel die autonome Klinik in Thessaloniki, wo Menschen unentgeldlich versorgt werden nachdem durch die Kürzungen im öffentlichen Haushalt das Gesundheitssystem in Griechenland fast zusammengebrochen ist. Zudem gab es Betriebsbesetzungen, etwa beim Seifenhersteller Vio.Me. Es gibt Stadtteilräte und sogar eigene Sicherheitskräfte. All diese realen Beispiele im hier und jetzt versetzen die Linke in Deutschland stets ins Staunen. Wie das denn alles möglich sei, wird da gefragt anstatt Konzepte zu erarbeiten wie soetwas auch in (Ost)deutschland möglich sein könnte. Stattdessen wirkt hierzulande selbst eine Forderung nach einem Generalstreik schon wie die reinste Utopie. Kämpferische Gewerkschaftler werden wenig unterstützt und ihr Kampf weniger wertgeschätzt als das traditionalistische demonstrieren gegen Nazihäuflein. Die „soziale Revolution“ ist scheintot. Selbst kleine Forderungen nach dem, was den Ausgebeuteten Zusteht trifft nicht nur unter den Chefs und oberen Klasse auf wenig Gegenliebe, sondern auch im eigenen Lager. Zwar wird viel erzählt vom Kapitalismus und was er so alles in unserer Welt anstellt – nur ernsthaft bekämpfen will ihn außer ein paar Spinnern offensichtlich niemand mehr, denn auch ein großer Teil der Antiautoritären hat sich recht gut eingerichtet in Postdemokratie und vollendetem Kapitalismus.

Ideen haben die Miesmacher aber meist auch keine außer dass sie bitte in ihren autonomen Ghettos vor sich hin dümpeln wollen wie in den letzten 30 Jahren.

So ist Zukunftsgestaltung in der Tat schwierig. Oder um außnahmsweise mal Marx zu zitieren: „In Deutschland gibt es keine Revolution, denn das betreten des Rasens ist verboten.

Am Ende bleibt die bittere Erkenntniss, dass die linke Bewegung in Deutschland A) zu bequem und B) zu sehr in Traditionalismus festgefahren ist, um sich ernsthaft verändern zu können. Es bräuchte einen krasse Umgestaltung der inneren Strukturen der Antiautoritären, um auch nur im Ansatz handlungsfähig zu werden. Plattformismus und Heterogenität sind Ansätze in diese Richtung, wenn auch keine absoluten. Aus informellen Plenas müssten ernsthafte Rätestrukturen geschaffen werden, die ihre Mitglieder und vor allem die Menschen außerhalb dieser wieder ernst nehmen. Es bräuchte dazu noch viel mehr Mut zu größeren Projekten außerhalb der eigenen VoKü. Mut zur Veränderung. Mut unter Menschen zu gehen und klar zu sagen was man will. Eine Profilbildung nach außen muss wieder stattfinden, die über Party und Bier trinken hinaus geht. Weit hinaus. Sich auf der Idiotenwiese linksautonomer Politik nicht abspeisen zu lassen. Gezielt in Schulen und Betriebe zu gehen. Nicht nur Aufkleber im eigenen Autonomen Zentrum. Sich bewusst dieser nötigen Konfrontation mit der Gesellschaft auszusetzen. Selbstbewusst auftreten und aufhören sich zu verstecken. Das wäre zumindest ein Anfang.

 

DAS ENDE DES SCHWARZEN BLOCKS 

Der Schwarze Block kommt ursprünglich aus der autonomen Szene der 70er Jahre und diente bei Massaktionen mit zehntausend Demonstranten und aufwärts als Anonymisierungsmethode. Heute ist der Schwarze Block vor allem ein Spielfeld für Mackergehabe und Gewaltfetischisierung. Als Anonymisierung ist er kaum noch zu gebrauchen, da autonome und antifaschistische Demonstrationen selten noch die Tausendermarken knacken. Es ist eher als würde man sich ein Fadenkreuz auf den Leib zeichnen und damit durch die Gegend laufen. Irgendjemand wird schon schießen. Die typische Klientel des Schwarzen Blocks besteht heute nicht mehr aus wütenden Studenten oder Arbeitern, sondern aus „erlebnisorientierten Jugendlichen“, linken Hooligans und Mackern. Als militante Methode hat der Schwarze Block schon seit den 90ern ausgedient, sondern ist eher ein Schaulaufen und Wetteifern, wer denn bitte der krasseste Typ in der Demo ist.

Auch haben sich mit den Jahren verschiedene Probleme in Bezug auf den Block ergeben. So ist es einfach unter schwarzen Klamotten und Schlauchtuch Provokateure in Demonstrationen einzuschleußen. Ebenso haben Nazigruppen ab den 2000er Jahren den Schwarzen Block in Form von Autonomen Nationalisten übernommen. Für unbedarfte Zuschauer, aber auch für eigene Leute ist bei Konfrontationen kaum noch einzuschätzen wer wer ist.

So gleichen sich rechte und linke Szene äußerlich immer stärker an und wird gerade hier in Sachsen zum vermeintlichen Beleg der Extremismustheorie, wonach rechts- und linksradikalität auch nur das Gleiche in verschiedenen Farben wären.

Auch hilft der Schwarze Block nicht bei ernsthaften Konfrontationen mit Nazis in Städten und Dörfern, da die Sympatisanten oft viel zu weit in den Vierteln und Regionen verstreut sind. Gezielte Aktionen sind oft nur in Kleingruppen oder Einzeln möglich. Als Massenanonymisierungsystem ist er so einfach nur nutzlos geworden. 

Auf den Müllhaufen der Geschichte! 

Aufgrund dieser Realitäten ist es nötig Militanz neu zu denken. Weg von aktionistischen Symbolaktionen der Marke „Aber wenn das jetzt alle machen würden!“ Die Vorbildfunktion vom symbolträchtigen Abfackeln von teuren Autos und Bundeswehr-LKWs ist außerhalb kleiner, militanter Kreise gleich null. Sie haben keine gesellschaftliche Wirkung außer der, dass Aktivisten relativ schnell eingeknastet werden und so der Bewegung nicht mehr nützen können. In einem linkeren, gesellschaftlichen Klima könnte vielleicht eine derartige Kettenreaktion entstehen, jedoch nicht in den reaktionären Zeiten von heute.

Statt Kräfte bei Aktionismus und Symbolaktionen zu verheizen sollte das Augenmerk auf einer effektiven Ausnutzung der zur Verfügung stehenden Kräfte stehen. Soll heißen: Aktionismus verbannen. Militanz muss nicht nur der Mehrheit in der Verhältnismäßigkeit vermittelbar sein, sondern darf obendrein nicht zum reinen Fetisch verkommen.

In all diesen Punkten versagt die Taktik des Schwarzen Blocks. Demos in Schwarzen Blocks ähneln mehr den Auftritten von Fußballhooligans als einer politischen Sache. Oft sind Schwarze Blöcke nach außen hin extrem aggressiv und die Aktivisten leichtsinnig und ohne jedes Gefühl für Taktik und Militanz im richtigen Moment. Etwa, wenn 50 Leute in ihrem Schwarzen Blöckchen versuchen eine dreireihige Polizeikette zu durchbrechen oder man sich derart leichtfüßig von Nazis und Polizei provozieren, dass es ein leichtes ist Aktivisten vorzuführen und in eine „Randale-Falle“ zu locken. Derartige Ignoranz gegenüber von Strategie ist unverzeihlich und dumm und dient einzig der Befriedigung der eigenen Aggression, aber nicht dem Zielen einer straken Bewegung. Ebenso unnötig ist es Bekennerschreiben für jeden Farbbeutelwurf auf Indymedia zu stellen. Wer der Polizei alle Ermittlungsarbeit abnimmt muss sich über bestimmte Ergebnisse nicht wundern. Prinzipiell sind Bekennerschreiben so ziemlich der einfachste Weg in den Knast nach Aktionen. 

Manchmal ist Straßenkampf nötig  

Dazu braucht es jedoch keine Hobbyholligans, die sich selbst wie pures Kanonenfutter in jedes Schwert stürzen, dass man ihnen anbietet. Stattdessen sollte das Ziel sein in Stadtvierteln und provinziellen Kommunen eine stehende Truppe für Gefahrensituationen parat zu haben. Nennen wir sie der Einfachheit mal „Selbstverteidigungseinheiten“ (SVE). Die Menschen in diesen SVEs müssten in Selbstverteidigung geschult sein, dürfen keine Rambotypen sein, müssen zu hundert Prozent zuverlässig sein und in Stressituationen einen klaren Kopf behalten und strategisch denken können. Diese können dann zum Schutz von Objekten oder ganzen Straßen eingesetzt werden. Vor allem dürfen sie sich nicht aufgrund von Emotionalität zu Leichtsinn verführen lassen. Zudem muss es zusätzlich eine Art Informationssammelstelle geben. D.h. Menschen, die Informationen sammeln und auswerten über z.b. Naziaktivitäten, Polizei oder akute Gefährdungssituationen. Mit anderen Worten statt einer wilden Affenbande brauchen wir eigene Sicherheitskräfte, die sich auch durchsetzen können, wenn man belagert wird. Denn es nützt nichts überall großspurig von befreiten Zonen zu sprechen, wenn man diese nicht durchsetzen kann.

Denkbar ist eine Art Arbeitermiliz, die eigene Strukturen schützt. Ähnlich wie z.b. die Schwarzen Scharen in den 30ern. Antifaschistische Arbeitermilizen, die eigene Wohnviertel, Fabriken und Konferenzzentren vor Übergriffen der Nazis schützten. Wären derartige Strukturen geschaffen und erprobt, dann könnte man darüber auch neue Projekte im Schutz aufbauen anstatt immerzu in Angst vor Vergeltungsschlägen leben zu müssen, weil man irgendwo in der falschen Straße abgebogen ist. Die SVEs wären eine reine Verteidigungseinheit. D.h. sie würde nicht einfach Leute überfallen, deren Nasen gerade nicht passen. Sie müsste auf Mandat handeln und im rotierenden Rätesystem regelmäßig Macht abgeben. Z.b. indem bestimmte SVEs Aufgaben und Verantwortungsbereiche austauschen. All das würde aber vorraussetzen, dass die entsprechenden übergeordneten Strukturen gut miteinander vernetzt sind und ein reger, heterogener Austausch stattfindet. In einer homogenen (Kleinst)Szene wie sie jetzt existiert ist so eine Form der Verteidigung leider undenkbar. Der Schluss aus diesen Überlegungen wäre, dass die linke Bewegung sich selbst erst wieder als Bewegung und nicht als Szene wahrnehmen muss, die Homogenität ihrer Ghettos aufgibt und versucht eine breite Front aus Arbeitern, Prekären und kämpferischen Gewerkschaftlern und Aktivisten zu schmieden. Erst wenn diese breite Front existiert ist es auch möglich Unternehmungen in Richtung SVEs zu starten, um Straßen und Viertel, die von rechten Milizen in Beschlag genommen wurden Stück für Stück zurückzuerlangen. Mit anderen Worten, man müsste tun wozu die staatlichen Behörden nicht in der Lage oder Willens sind.

Militärisches Rüstzeug – mit Steinen gegen Panzer 

„Gewaltfreiheit funktioniert gut, wenn dein Gegner ein Gewissen hat.“ 

– Malcom X 

In den 70er Jahren blamierte sich die bürgerliche Linke als sie versuchte mit Mao-Bibel unter dem Arm mitten in der BRD eine lateinamerikanische Stadtgurellia aufzuziehen. Das ganze lief unter dem protztigen Namen „Rote Armee Fraktion“ und hätte nicht weiter von der Realität in der Republik entfernt sein können. Allerdings zeigte sie sehr gut, welche Art von Militanz zum Scheitern verurteilt ist. Daher möchte ich in diesem Schlusskapitel noch einmal näher auf das eingehen, was man „militärisches Rüstzeug“ nennt oder anders: Ein paar selbst gebaute Bomben machen noch lange keinen Widerstand, wenn nur ein marginaler Teil der Bevölkerung hinter einem steht. 

Fakt ist: militärischisch ist die hochgerüstete Polizei und Bundeswehr nicht zu besiegen. Punkt. Das sieht man bei jedem G-Gipfel und bei jedem 1. Mai. Steine gegen Panzer sind maximal Aggressionsbewältigung, aber kein ernstzunehmender Widerstand. Mit der Wahl von Donald Trump in den USA sprachen sich Teile der US-Linken für eine „Gun-Culture“ in linken Strukturen aus. Sprich, wenn rechte Milizen sich paramilitärisch bilden und ausrüsten müsse konsequenter Weise das auch in der Linken erfolgen, wenn man sich nicht abschlachten lassen will. Mit Blick auf die Bundestagswahl 2017 und ein mögliches Worst-Case-Szenario namens CDU-AfD-Koalition wird dies auch für Deutschland interessant. Gibt es doch nahezu täglich gewalttätige Angriffe und die haben es in sich. Rechte Gruppen sind schon längst hochmilitarisiert und setzen ihren „Holy Racial War“ (RaHoWa) schon längst in die Tat um. Mit Schusswaffen, Knüppeln, Wehrsportübungen und Sprengstoffanschlägen. Vor einigen Jahren hätte ich vermutlich selbst noch für den passiven Widerstand plädiert, doch kristallisiert sich mittlerweile heraus, dass diese Entwicklung durch beten, Bäume umarmen und friedliches beisammen sein nicht aufzuhalten sein wird.

Als Pazifist kann ich Gewalt ablehnen, doch gerade hier geht es mittlerweile immer eindeutiger um Gewalt im Sinne der Notwehr. Niemand kann von einem Menschen verlangen sich bereitwillig ins Schlachthaus führen zu lassen. Die deutsche Linke hat sich über Jahrzehnte hinweg gegen das Militär gestellt und dabei selbst kaum militärische Erfahrung gemacht. Zwar gab und gibt es immer wieder maoistisch-marxistische Gruppen, die brandgefährliche Bombenanleitungen und ähnliches in Netz stellen, aber diese sind oft nahezu unbrauchbar. Und das nicht nur weil die Hobbychemiker zum Teil Mixturen verwenden bei denen jedem Pyrotechniker Angst und Bange wird. Dies ist die Stelle an der das Konzept der SVEs ansetzen soll. Sie ist nicht für den Kleinkrieg oder ähnliches gemacht soll aber gleichzeitig genug Schutz für Strukturen bieten. Das heißt man müsste einen Mittelweg finden zwischen „mit Steinen gegen Panzer“ und „Hobbybomber“. Diesen kann man sich tatsächlich direkt bei der Polizei abschauen in Form einer „linken Hundertschaft“. Entsprechend müsste man eine niederschwellige Rüstung bewerkstelligen. Finanzieren könnte man das Ganze über das Solidaritätsprinzip. Immerhin hat es für Waffen für Rojava ja auch gereicht. Die Einheiten würden dann entsprechend nicht als Sportgruppe handeln, sondern müssten ausgebildet werden im Umgang mit Waffen und Ausrüstung.Dazu taktisches Training und das Aufbauen von Versorgungslinien im niederschwelligen Bereich.

Während der Generalstreiks in Barcelona wurde dies u.a. immer wieder von der streikenden Feuerwehr bewerkstelligt, die in voller Schutzausrüstung Demonstranten vor der Polizei schützte indem sie sich als Schildwall aufstellten. Oder während der Straßenschlachten in Brüssel als die Müllabfuhr an forderster Front kämpfte. 

 

EIN NACHWORT 

Es ist wichtig zu begreifen, dass sich die immer weiter hochschaukelnde Krise nicht irgendwann von alleine erledigen wird. Die Einschläge kommen näher und die linksgerichteten Bewegungen müssen sich ebenso auf das kommende Chaos vorbereiten wie die Zivilgesellschaft, denn es ist nicht zu erwarten, dass sich die aufstrebende Neue Rechte von Worten sonderlich beeindrucken lässt. Insbesondere da bereits jetzt nahezu täglich Grenzen überschritten werden, die vor Jahren noch als standfest galten: Holocaustleugnung und Rassentheorie zur besten Sendezeit sind da nur zwei Beispiele. Denn auch der Faschismus der Vergangenheit kam nicht über Nacht. Viel eher hat man der Weltöffentlichkeit immer wieder eine höhere Dosis des Gifts verabreicht, um sehen zu können wie weit man unbeschadet gehen kann. Das Schweigen und die Zerstrittenheit des öffentlichen Widerstandes sorgten schließlich dafür, dass man sich daran gewöhnte. Und auch die täglichen Straßenschlachten der KPD mit der SA änderten da wenig dran. Auch weil KPD und SPD erst 1932 darauf kamen, dass der Faschismus in Deutschland eine größere Bedrohung sein könnte als die abweichende Meinung des jeweils anderen und viel zu spät mobil machten. Historiker gehen heute davon aus, dass man spätestens ab 1928 hätte militärisch auftreten müssen, um den Hitlerfaschismus überhaupt noch irgendwie eindämmen zu können. Das lehrt uns die Geschichte. (Und die Geschichte lehrt uns, dass sie uns nichts lehrt – um mal das berühmte Zitat von Plato zu bemühen.)

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Anarchismus VERSUS Anti-Spezismus

Tierrechtler und Anarchismus

 

Uns ist völlig klar, dass dieses Thema bei den üblichen Kandidaten für aggressive Schnappatmung sorgen wird, allein weil wir es wagen dazu Stellung zu beziehen.

Wichtig ist, es geht hier nicht um die Ablehnung von Umwelt- und Tierschutz und alternativen Formen des Zusammenlebens, es geht einzig und allein um die autoritäre und zu Teilen sogar sektenartige Ideologie, die gerade in der Tierrechtsbewegung ihre Blüten treibt und in dieser Form im Grunde überhaupt nicht mit den freiheitlichen Ideen des Anarchismus vereinbar sind.

In vielen linken und anarchistischen Zusammenhängen gilt es als normal öko, vegan und tierfreundlich zu sein. Neben einem sehr romantischen bis naiven Bild von Bio-und Ökologie werden von vielen Aktivisten auch autoritäre, antisemitische bis offen faschistische Inhalte tolleriert oder sogar verbreitet.

Dazu gehören Szene-Filme wie „Earthlings“, der es schafft in den ersten 5 Minuten gleich mal den Holocaust zu leugnen, weil nach Meinung der Filmemacher es die Tiere in ihren „Tier-KZs“ viel schlimmer haben als jemals die Juden bei den Nazis.

Neben diesem als Dokumentation getarnten Stück billigster Propaganda gehören die Publikationen von Paul Singer und Theodore Katschinsky bis heute zum 1:1 des geneigten Tierrechtlers. Dabei wird eine seltsam anmutende Welt der Urgesellschaft glorifiziert, die nicht nur zivilisationsfeindlich, sondern oft auch extrem menschenfeindlich ausgestaltet ist. So ist der Mensch als Spezies an allem schuld, wo grad der Schuh drückt. Das wird je nach Aggressivitäts-Level gesteigert bis zum kompletten „Ökozid“ des Planeten, der nur durch eine Anti-Zivilisation und eine Bevölkerungsschrumpfung noch aufgehalten werden kann. Letzteres bedeutet, dass man – je nach Tierrechtler – einen Teil der Bevölkerung „entsorgen“ möchte, um das Armageddon aufzuhalten. Die gewaltsame Entfernung von bis zu 50% der Menschheit gehört zum habitus von Primitivisten, Anti-Spezisten und Esotherik-Ökos, die sich in der Tierrechtsbewegung vereinigen. (Wir möchten nur einmal ins Gedächtnis bringen, dass die Tierfreunde hier von der systematischen Vernichtung von mindestens 4-5 Milliarden Menschen reden!)

Ebenso sind antisemitische Zerrbilder an der Tagesordnung. So werden bei Kampagnen gegen das Schächten in erster Linie jüdische und muslimische Schlachttraditionen herausgekramt. In einschlägigen Foren werden, wenn es um vermeintliche „Tierquäler“ geht gerne Mal Bilder von Auschwitz und Erschießungen im Warschauer Ghetto hinzugezogen.

Selbst in linken Gruppen wird derartiges oft genug unwidersprochen gelassen, denn solange es für die Tiere ist, ist scheinbar jede Menschenverachtung recht. Oft genug laufen die gegenseitigen Ermunterungen nach dem Motto ab „Je zivilisations- und menschenfeindlicher, desto glücklicher der Tierrechtler.“

Zwar distanzieren sich linke und anarchistische Gruppen immer etwas halbherzig von antisemitischen und faschistischen Umtrieben, übernehmen aber gerne unwidersprochen deren Propaganda. Gerade was die Empfänglichkeit für Verschwörungstheorien angeht stehen die meisten Tierrechtsgruppen Reichsbürgern und Impfgegnern in nichts nach. Da gibt es dann ein geheimes Netzwerk aus einer ominösen Fleisch- und Pharmalobby, die gleich mal ganze Staaten regiert. Gerade bei den Kampagnen gegen Monsanto und Bayer konnte man immer wieder hören, dass „die da oben“ bei den Lobbyisten alle Fäden in der Hand haben.  Nicht mehr weit entfernt ist man dann in der Regel vom „raffenden, jüdischen Kapital“ aus der NS-Propaganda. Denn die ganze Welt könnte so schön sein, wenn „die da oben“ nicht alles kontrollieren würden. Wendungen, die man auch in anarchistischen Gruppen zu oft um die Ohren gepfeffert bekommt.

Der real existierende Kapitalismus hingegen wird so gut wie nie erwähnt. Wenn Tiere leiden oder die Umwelt zerstört wird, dann ist das die Schuld von einzelnen, schlechten Menschen oder Firmen. Hat man diese beseitigt steht dem veganen Glück nichts mehr im Wege. Ist man als Mensch doch so dreißt und versucht etwa kapitalistische Zusammenhänge in der Landwirtschaft zu erklären wird gebockt und nicht selten bekommt man das Argument zu hören „Das interessiert uns nicht. Das ist doch nur Symptombekämpfung!“

Fragt man Tierrechtler ist es nicht selten auch verachtenswerte Symptombekämpfung reales Leid zu lindern indem man ehrenamtlich in Tierheimen hilft, Gnadenhöfe mitorganisiert oder vielleicht sogar in Programmen zur Arterhaltung mitarbeitet. Alles ist Recht solange man nur konsequent seine Anti-Haltung beibehalten kann.

Uns ist klar warum primitivistische, esotherische und antispezistische Argumente gerade für Menschen aus konsumorientierten, städischen Gebieten so attraktiv sind. Man kann in eine klare Kontrahaltung zur Gesellschaft gehen ohne viel dafür machen zu müssen – außer die Ernährung umzustellen und jeden, ob er will oder nicht, religiös anmutend zu missionieren.

Wir – und nicht nur wir – sehen diese Entwicklung mit Sorge. Auch weil viele Aussagen der Tierrechtsbewegung komplett im Gegensatz zum Anarchismus mit seinen freiheitlichen Prinzipien steht. Dazu gehört auch, dass jeder Essen kann, was er will, ohne religiös-missionarische, moralisierende Predigten fürchten zu müssen.

Die Anschlusspunkte für fundamentalistische Christen, autoritäre Ökos und antisemitische Verschwörungstheorien agieren jedoch fließend und sind gerade auch in anarchistischen Zusammenhängen komplett fehl am Platze. Noch dazu, wenn klassenkämpferische Perspektiven immer weiter ausgeblendet werden.

So gab es Vorfälle in der örtlichen FAU (FreieArbeiterInnenUnion) unseres Autoren in denen Tierrechtler es schafften die Satzung einer anarchistischen Gewerkschaft auf Tiere umzuschreiben und Klassismus gegenüber Bauern und Fleischern salonfähig zu machen und sogar zu verneinen, wenn hypothetisch gefragt wurde „Würdet ihr einen Arbeitskampf bei einem Metzger unterstützen?“ Die Antwort darauf war ein salopp umformulierter Anti-Polizei-Spruch: „Niemand muss Fleischer sein.“

Klassenbewusstsein und gewerkschaftliche Solidarität gleich null.

Die FAU Bielefeld sah sich sogar genötigt eine Veranstaltung zu primitivistischen Strömungen zu machen, denn gerade auch in egalitären Kreisen sind Zivilisations- und Menschenfeindlichkeit auf dem Vormarsch.

Siehe: http://faubielefeld.blogsport.de/images/Kritik_des_AnarchoPrimitivismus_02.pdf

Zu guter letzt lässt sich nur sagen, dass diesen Entwicklungen mit starken anarchistischen Positionierungen, gerade auch bei den Themen Umweltschutz, entgegengewirkt werden müssen, aber natürlich nicht ohne die kapitalitischen Ursachen völlig zu verneinen. Denn das Tierleid in den Ställen ist nur ein weiterer Ausdruck des Kapitalismus. Der Arbeiter in den Ställen und Schlachthäusern ist für das Managment kaum mehr wert als das Tier, dass er am Fließband zerlegt.

Disziplin ist kein Gehorsam!

Disziplin ist kein Gehorsam

Die hitzigsten Diskussionen gibt es immer, wenn das Wort „Disziplin“ in linken Gruppen auftaucht.

Dabei ist allgemein erst einmal festzuhalten, das Disziplin nicht automatisch den (sehr deutschen) Kadavergehorsam des Militärs oder die leistungsorientierte (Selbst)Disziplinierung des neoliberalen Markts meint.

Wenn Anarchisten von Disziplin reden – und das tun sie dieser Tage viel zu wenig – dann meinen sie oft eine emanzipierte Selbstdisziplinierung, die sich für Dinge und Strukturen einsetzt, weil sie es will und nicht weil sie es muss.

In Verbindung mit dem Plattformismus ist die anarchistische Disziplin die wichtigste Organisationseigenschaft. Nur durch strikte Selbstdisziplin kann man gemeinsam Ziele erreichen und soziale Kämpfe führen.

Wenn man in deutsche Anarchogruppen schaut, dann sieht man eher das Gegenteil. Jede Form von Disziplin wird abgelehnt, weil auch der Wille fortzuschreiten frustrierend gering ist. Obwohl man sich Anarchist nennt hat man keine Vision und keine Utopie für die man eintritt. Man „revolutioniert vor sich hin“ in geschlossenen geistigen Ghettos, die kaum Zugang zum Rest der Gesellschaft bieten.

Sieht man in die Vergangenheit der Bewegung, dann sieht man, dass es vor allem Anfang des 20. Jahrhunderts viele starke, disziplinär ausgerichtete Gruppen im Anarchismus gab – auch hier in Deutschland. Dazu gehörten Anarchosyndikalisten wie die FAUD (Freie ArbeiterInnen Union Deutschlands) ebenso wie die im spanischen Bürgerkrieg kämpfende DAS (Deutsche Anarchisten in Spanien) oder die Schwarzen Scharen. Alles Verbindungen, die revolutionäre Arbeit schufen unter Bedingungen, die weitaus schlechter waren als die heutigen.

Wenn man heute jedoch versucht über Disziplin in anarchistischen Zusammenhängen zu sprechen wird jede Diskussion erstickt von Leuten, die sagen das sei autoritär oder gar faschistisch. Oft dienen diese Versuche jedoch einzig dazu einen „anarchistische Orthodoxie“ zu forcieren, die nichts anderes tut als über Theorien sinnierend in Cafés zu sitzen, Rotwein zu trinken und mit der Mentalität von religös anmutenden Predigern zu erklären warum dieses oder jenen nicht geht und warum gefälligst alles so bleiben soll wie seit 40 Jahren. Jede mögliche Idee und Überlegung wird eingestampft mit dem Satz „Das ist doch autoritär.“, so dass man wieder zur Tagesordnung des genüsslichen Chillens in politischen Gruppen übergehen kann.

Politische Gruppen sind und sollen aber keine Selbsthilfekindergärten sein zu denen gerade auch viele anarchistische Projekte verkommen sind. Politische Gruppen sollen raus gehen und etwas bewirken. Und das tut man selten beim Kaffee und Kuchen (oder Joint und veganem Aufstrich)

Daher braucht es nicht noch mehr Theoriezirkel, die so unglaublich bieder und deutsch sind, dass es die Mitglieder niemals freiwillig zugeben würden.

Die Disziplinierung ist eines der wichtigsten Mittel. Sie schafft Vertrauen durch Aktion. Niemand vertraut einer Gruppe, die es nicht einmal schafft sich 15.00 Uhr irgendwo zu treffen und E-Mails auszutauschen, weil das ja angeblich bürgerlich sei – und sowieso jeder Unbekannte, der sich dafür interessiert ein potenzieller Agent des Verfassungsschutzes ist.
Das stetige Misstrauen gegenüber allem und jeden sowie das nicht gebacken kriegen von Organisationsaufgaben („Weil ich hab heute keine Lust. Außerdem bin ich Anarchist!“) sind die größten und häufigsten Gruppenkiller und sorgen zudem dafür, dass anarchistische Gruppen kleine, sektiererische Zirkel bleiben in denen sich nichts bewegt außer die Frage „Mate oder Fritz Cola?“

Oft steckt hinter der Verweigerungshaltung und der unterschwelligen Furcht „Gehorsam“ zu sein die schiere Angst Verantwortung übernehmen zu müssen – für sich selbst und für andere. Gerade in heißen Planungsphasen vor einer Demo oder Aktion brechen oft genug die Leute weg, die der Verantwortung entgehen wollen durch Rückzug in die Verantwortungslosigkeit. So kommt es oft zu Vereinbarungs- und Vertrauenbrüchen, die schließlich die gesamte Struktur erschüttern und Gruppen komplett handlungsunfähig machen können.

Anarchismus bedeutet nicht nur Spaß und revolutionäres Remmidemmi. Es bedeutet die volle Verantwortung für sich und seine Handlungen zu übernehmen, als Einzelperson und als Gruppe.

Plattformismus – Was ist das?

In den letzten Jahrzehnten sind viele ursprüngliche Prinzipien des Anarchismus verwässert worden, wenn nicht gar verloren gegangen. Eines davon ist der Plattformismus.

Prinzipien des Plattformismus

Plattformismus – Was ist das?

Der Plattformismus ist eine Organisationsform des Anarchismus, der seine Ursprünge in der ukrainischen Revolution unter Nestor Machno in den 20er Jahren hat. Diese Entstand auf Antwort auf die Fehlschläge während der Russischen Revolution 1917 und sollte eine striktere Organisierung garantieren, die nicht von endlosen Debatten und Gremien ausgehebelt wird, während autoritäre Kräfte (damals in erster Linie durch die Bolschewisten) an einem vorbei ziehen.

Der Plattformismus besteht aus vier Grundprinzipien:

– ideologische Einheit

Ideen und Ideale einer Gruppe sind klar, auch in Detailfragen, und alle Mitglieder halten sich daran.

– taktische Einheit

Innerhalb einer Gruppe ist die grundsätzliche Strategie geregelt. Egal ob Aktionen oder innere Strukturen betreffend.

– disziplinäre Einheit

Es wird eine grundlegende Disziplin in Aufgabenverteilungen und Aufgaben in der Gruppe eingehalten. Wer aufgaben annimmt, der muss diese auch durchführen. Das ganze basiert auf rätedemokratischer Basis. D.h. bei massiven Verstößen oder „nichtstun“ können Verantwortliche von den Mitgliedern abgesetzt/ abgewählt werden.
Bei der „anarchistischen Displin“ geht es jedoch nicht um Gehorsam, sondern um die Einhaltung grundsätzlicher Dinge wie Terminen und Absprachen, da schon damals das größte Problem der antiautoritären Bewegung war sich an einfachste Regeln zu halten. Plattformisten fordern Disziplin von ihren Mitgliedern, um ein stetiges hinarbeiten auf ein Ziel zu gewährleisten. Viele heutige Gruppen scheitern oft schon daran, weil das fehlgeleitete Motto „Ich bin Anarchist. Ich muss gar nix.“ glorifiziert wird.

– Kollektivtätigkeit

Jedes Mitglied der Gruppe verpflichtet sich zu aktiver Arbeit im Kollektiv. Ein „herumlungern und revolutionäres Bier trinken“ wie es heute in vielen anarchistischen Gruppen Mode ist gibt es nicht. Wer sich Mitarbeit aktiv verweigert kann aus der Gruppe ausgeschlossen werden.

 


Der Plattformismus hat sich vor allem in südlichen Ländern durchgesetzt, während gerade in Mittel- und Westeuropa ein vor sich hin dröppelnder Individualanarchismus glorifiziert wird, der sich meist darin erschöpft, dass man jede Form von Struktur als „Autoritär“ ablehnt und das gemeinsame Trinken von Spirituosen und anderen erheiternden Dingen als revolutionär erachtet, während man die immer gleichen Diskussionen führt, ohne je die praktische Phase zu erreichen.

Der Plattformismus soll genau das verhindern. Er soll Struktur geben und revolutionäre Gruppen handlungsfähig halten.

Einfach mal quer durchpflügen!

Traktor Groß Kopie

 

„Wer vom Kapitalismus nicht reden will, der soll vom Faschismus schweigen.“

– Max Horkheimer

Gerade hier in der Provinz stellt sich die Frage wie wir umgehen mit den Strukturen der Mörder, den Mauern des Schweigens und den ungesühnten Verbrechen von Faschisten, die vom Staat nur wenig bis gar nichts zu befürchten haben.

Angelehnt an die Redneck Revolt in den USA und den Schwarzen Scharen in der Weimarer Republik rufen wir dazu auf auf nicht nur zu reden, nicht nur Pamphlete zu verfassen und Disskussionsrunden in den sicheren Zonen von alternativen Projekten in der Stadt zu führen.

Viele Orte außerhalb dieser ghettoartigen Strukturen der antiautoritären Linken wurden unlängst aufgegeben. „Der Arbeiter“ wurde den Rechten überlassen und ebenso jene Orte der Rekrutierung: Regionale Fußballspiele, Schützenvereine, Betriebe, Schulen, Sportvereine und viele mehr wurden den Rechten als Propaganda- und Rekrutierungsorte überlassen. Das Endergebnis sieht man heute in Form eines brutalisierten, gesellschaftlichen Diskurses gegen alles und jeden, der nicht „abendländisch“ genug scheint.

Wir müssen diese Orte und die Arbeiter als Klasse (die heute vor allem im Niedriglohnsektor ausgebeutet werden) zurückerobern und den berechtigten Zorn über das System umlenken. Weg von den „einfachen Sündenböcken“ wie Ausländern, Obdachlosen oder Armen hin zu denen, die wirklich für die schlechte Situation können: den Kapitalismus mit seiner Profitmaximierung, der den großteil der arbeitenden Bevölkerung in die Armut treibt über Minijobs, Niedriglöhne und Zeitarbeit und dann ausgerechnet die Schwächsten der Schwachen als Konkurrenz und Sündenbock für das Fehlen von gesellschaftlichen Strukturen hinstellt.

Der Faschismus ist die ausgeprägteste und aggressivste Form des Kapitalismus. Er ist nicht nur an bestimmten Daten wie dem G20 anzugreifen, sondern immer und überall. Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.

Dabei geht es nicht um die symbolische Entglasung von Geschäften und Banken, sondern darum ernsthafte Alternativen zu schaffen zu diesem System aus Gewalt und Angst.

Die deutsche Linke zeichnet sich vor allem durch Jammerei und Nichtstun aus. Während auf Faschisten Nägeln mit Köpfen machen streitet man in linken Kreisen darum, ob man Faschisten denn Faschisten nennen darf und ob Gewalt gut oder böse ist.

Gewalt ist ein Mittel zum Zweck. Sie kann aktiv sowie passiv sein. Sie kann Teil einer Gesamtstrategie sein. Ihr alleiniger Einsatz an sich ist nicht moralisch, sondern taktisch.

Wenn der Spiegel & Co schreiben in Hamburg „herrscht Krieg“ wegen ein paar brennender Autos, dann ist der blanke Hohn gegenüber denen die tagtäglich mit faschistischen Terror konfrontiert sind und gegenüber denen, die als Kriegsflüchtlinge zu uns kommen und denen man dann noch erzählt ihr Land sei „sicher“.

Genau solcher Hohn ist es aber, wenn Linke in diesem Land immer versuchen Faschisten und Imperialisten nur mit Protestsongs und Diskutierrunden zu bekämpen. Das wird sie kaum beeindrucken. Im Gegenteil.

Wir müssen uns entscheiden, ob wir weiterhin alles machen wie seit 30 Jahren und nur zusehen anstatt zu handeln oder ob den markigen Worten, die regelmäßig durch Portale wie Indymedia tröten, endlich auch Taten folgen.

Alleine auf sich gestellt kann der Revolutionär rebellieren wie er will, er wird nichts erreichen. Nur gemeinsam werden wir die nötige Stärke entwickeln können. Ganz egal ob Anarchist, Kommunist oder einfach nur Mensch, der die Nase voll hat von diesem System, dass einen ausblutet und am ausgestreckten Arm verhungern lässt.

Anarchist Liberation Army & Redneck Antifa

Redneck Antifa 1 Kopie

 

„Passiver Widerstand funktioniert solange dein Gegner ein Gewissen hat.“

– Malcom X

Die Gewaltfrage stellt sich nicht, wenn die Gesellschaft in der man lebt immer stärker in Autoritismus und offen faschistische Strukturen abgleitet. Die Gewaltfrage ist immer die Frage, ob man sich gegen Unterdrückung wehrt oder still schweigend jeden Hieb hinnimmt und immer noch die andere Wange hinhält.

Gerade als Bewohner des ländlichen Raums sind wir es leid immer nur einzustecken, denn gerade in Konfrontation mit Staat und Faschismus gibt es keine gewaltfreie Lösung. Wenn ein Teil der Bevölkerung offen zum Krieg gegen einen anderen Teil ausruft – als Präsident, als Armeeangehörige oder als Straßenkämpfer an den Stamtischen – dann ist die Zeit des Redens vorbei.

Unsere Orte sind in der Hand von mordlustigen Verbrechern, die am liebsten jede Diversität des menschlichen Lebens mit Stumpf und Stiel ausrotten würden. Rechte Milizen beherrschen die Straßen – gerade in eher strukturarmen Regionen -, verbreiten Angst und versuchen aktiv Menschen zu schaden, durch Sprengstoffanschläge und Schusswaffen.

Sicher werden wir beschimpft werden. Es wird immer diejenigen geben, die glauben man könne mit Faschisten diskutieren – im eigenen Ort, in der Schule, im Betrieb, bei der Polizei, beim Militär.

Wir akzeptieren die Zustände nicht länger. Wir halten nicht länger immer noch die andere Wange hin. Es wird Zeit zu handeln.

So wie einst die Schwarzen Scharen bewaffnet Viertel und Fabriken verteidigen, so werden wir uns auf der Straße treffen. Nicht als sinnloses Schwarzes Blöckchen, sondern als echte Kämpfer.

Ihr habt den Kampf gewollt, nicht wir.

Militanz muss wieder praktisch werden.